L-Lysin

Alles, was du über Lysin wissen musst

L-Lysin ist eine proteinogene Aminosäure, die der Klasse der essenziellen Aminosäuren zugeordnet wird und aufgrund der Tatsache, dass sie vom Organismus nicht selbst synthetisiert werden kann, regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden muss. Von Bedeutung ist Lysin dabei in erster Linie als Baustein für Hormone, Proteine, Enzyme und Antikörper, sodass dem Lysin nicht zu Unrecht auch im Sport eine tragende Rolle zuteilwird.

Wirkung von L-Lysin

Eines der dominierenden Einsatzgebiete des Lysins im menschlichen Körper ist der Aufbau von Strukturproteinen wie dem Kollagen, das ein essenzieller Bestandteil deines Bindegewebes ist und diesem Stabilität verleiht. Hat dein Körper also nicht ausreichend Lysin zur Verfügung, leidet die Gewebequalität von Haut, Knochen, Sehnen sowie die Stabilität der Wände deiner Blutgefäße. Abgesehen von der Funktion im weichen Bindegewebe sorgt L-Lysin jedoch auch für die Kalziumeinlagerung in Zähnen und Knochen, wodurch deren Stabilität auf lange Sicht gewährleistet bleibt. Im Umkehrschluss kann ein Mangel also unter anderem zu folgenden Symptomen führen:

  • Wachstumsstörungen
  • trockene, spröde Haut
  • Haarausfall
  • brüchige Finger- und Zehennägel
  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit

Für Sportler besonders interessant ist die im Jahr 2003 durch Wissenschaftler belegte Funktion des Lysins im Zuge des Proteinstoffwechsels im Hinblick auf die Synthese von L-Carnitin. Mit Hilfe von L-Lysin ist dein Körper nämlich überhaupt erst dazu in der Lage, den Fettsäuretransporter L-Carnitin herzustellen.[1] Somit ist eine ausreichende Lysin-Versorgung für die Fettverbrennung besonders interessant, die Fettsäuren ohne den Transporter nur sehr ineffizient in die Mitochondrien geleitet und verstoffwechselt werden können. Beachtenswert ist aber auch die Tatsache, dass Lysin entscheidend zur Zellteilung beiträgt, die vor allem für den Muskelaufbau und die Regeneration nach sportlichen Belastungen entscheidend ist.

Lebensmittel, die L-Lysin enthalten

Prinzipiell ist L-Lysin in sehr vielen Nahrungsmitteln vorhanden, wenngleich oft nur in sehr geringen Dosen. Die wertvollsten Lieferanten finden sich jedoch im Bereich der tierischen Eiweiße wie unter anderem Fisch, Fleisch, Eier und Milchprodukte. Während der Lysingehalt der meisten aus Fleisch und Milchprodukten stammenden Eiweiße recht hoch ist, gestaltet sich die Lage im Fall von Fisch und Meeresfrüchten nicht derart eindeutig. Besonders empfehlenswert sind in dieser Hinsicht aber Thunfisch, Lachs, Forelle und Garnelen.

Im Gegensatz zu den tierischen Produkten enthalten pflanzliche Lebensmittel durch die Bank weg signifikant geringere Mengen an Lysin, was auch erklärt, warum vegetarisch oder vegan lebende Menschen deutlich häufiger von Lysinmangel betroffen sind. Um den täglichen Lysinbedarf zu decken, der von Wissenschaftlern des französischen »Institut des sciences et industries du vivant et de l'environnement« auf 30 bis 64 Milligram pro Kilogramm Körpergewicht und Tag taxiert wurde,[2] müsstest du bei einer rein pflanzlichen Ernährung also bereit dazu sein, einige Anstrengungen unternehmen. Dass dies nicht unmöglich ist, belegen aber Lebensmittel wie Erbsen und Sojabohnen.

Alternativ bietet sich auch die Verwendung von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln an, wenngleich du deinen täglichen Bedarf in der Regel über eine klassische Mischkost leicht decken kannst. Die folgende Auflistung zeigt dir die 5 tierischen und pflanzlichen Lebensmittel mit der höchsten Lysinkonzentration pro 100 Gramm:

Tierische Lebensmittel

Nahrungsmittel Enhaltenes Lysin
Gouda 2790 mg
Sardinen in Öl 2240 mg
Thunfisch 2210 mg
Schweinefleisch 2000 mg
Hähnchenbrustfilet 1962 mg

Pflanzliche Lebensmittel

Nahrungsmittel Enhaltenes Lysin
getrocknete Linsen 1890 mg
Bohnen 1870 mg
Kichererbsen 1370 mg
Speisekleie 720 mg
Erbsen 610 mg

Anwendungsgebiete

In ihrer Funktion als essenzielle Aminosäure ist L-Lysin in irgendeiner Art und Weise an unzähligen stoffwechseltechnischen Prozessen in deinem Körper beteiligt, wodurch sich ein sehr breites Anwendungsspektrum ergibt, das sowohl den sportlichen als auch den medizinischen Bereich erfasst.

Lysin als medizinischer Wirkstoff

Auch du hast von der medizinischen Verwendung von Lysin mit Sicherheit schon einmal profitiert, denn die Aminosäure dient sowohl als basische Komponente von Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure (Aspirin) als auch als Wirkbeschleuniger bei Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Darüber hinaus kommt dem Stoff auch im Rahmen der Herpesbehandlung und Prophylaxe eine entscheidende Rolle zu, da er dazu in der Lage ist, die Aufnahme der Aminosäure Arginin zu beschränken, wodurch den Herpesviren die Lebensgrundlage entzogen wird. Weitere Anwendungsgebiete bestehen neben der Osteoporosebehandlung sowie der Unterstützung der Wundheilung in der Stärkung des Immunsystems, der Herstellung von ausgewogener Sondenkost sowie der Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln für Vegetarier und Veganer.

Lysin im Sport

Basis für den Einsatz im Sport sind im Grunde genommen die gleichen Argumente, die den Einsatz von L-Lysin in der Medizin rechtfertigen, denn starke Knochen und ein strapazierfähiges Bindegewebe sind für die Leistungsentfaltung in jeder Sportart unerlässlich. Darüber hinaus verringert die Einnahme von Lysin den Muskelabbau durch eine Steigerung der Wachstumshormonausschüttung. Nicht zu vernachlässigen ist verständlicherweise auch der Einsatz zum Zweck der Optimierung der natürlichen L-Carnitin-Produktion hinsichtlich der optimalen Fettverbrennung. Nicht zuletzt deshalb wird L-Lysin daher auch in Kombination mit L-Carnitin eingenommen.

Einsatz in der Industrie

Da für alle Säugetiere die gleichen Stoffwechselgesetzmäßigkeiten gelten, macht man sich die einzigartigen Eigenschaften von L-Lysin auch in der Industrie zunutze, indem ein Großteil der industriellen Futtermittel damit angereichert wird. Ziel ist es, den Nährwert der pflanzlichen Futtermittel, die einen sehr geringen Lysin-Gehalt aufweisen, gezielt zu erhöhen.

Nebenwirkungen von L-Lysin

Wie bei den meisten anderen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommenen Aminosäuren handelt es sich bei L-Lysin um ein weitgehend unbedenkliches Supplement. Vereinzelt kann es im Fall einer deutlichen Überdosierung jedoch zu obligatorischen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen kommen. Auch wenn dauerhaft eingenommene therapeutische Dosen von 3.000 mg für Erwachsene als sicher gelten, sollten Personen, die unter den folgenden Erkrankungen leiden, die Einnahme im Vorfeld mit einem Arzt absprechen:[4]

  • Diabetes
  • Alkoholismus
  • Bluthochdruck
  • Nierenerkrankungen
  • Gerinnungsstörungen

Da Lysin jedoch auch Auswirkungen auf die Blutgerinnungseigenschaften hat, sollte die Einnahme von Lysin, die über die normale Ernährung hinausgeht, sowohl vor Operationen als auch im Rahmen einer Schwangerschaft vermieden werden.

Dosierung von L-Lysin

L-Lysin wird in der Regel von Form von Kapsel oder Kautabletten mit einer Wirkstoffemenge von 500 bis 1000 Milligramm vertrieben, sodass die Dosierung dementsprechend einfach fällt. Zum Zweck der Behandlung von Herpes werden während der Akutphase 800-1000 Milligramm pro Tag empfohlen, während die prophylaktische Erhaltungsdosis gut 500 Milligramm beträgt.[5] Auch wenn mit Lysin bereits zahlreiche Studien hinsichtlich der Leistungsfähigkeit im Sport durchgeführt wurden, kommt die Wissenschaft zu keiner einheitlichen Einnahmeempfehlung. Da es sich um ein sicheres Nahrungsergänzungsmittel handelt und eine dauerhafte Einnahme von 3.000 Milligramm nachgewiesenermaßen als unbedenklich gilt, kannst du dich in jedem Fall an dieser Marke orientieren.

Studien

[1] Löster L.: Biochemical fundamentals of the effects of Carnitine; Carnitine and Cardiovascular Diseases; 2003; S. 3-48
[2] D. Tomé und C. Bos: Lysine requirement through the human life cycle. 137, 2007, S. 1642S-1645S
[3] Y. Izumi u. a.: Herstellung und Verwendung von Aminosäuren. In: Angewandte Chemie 90, 1978, S. 187-194
[4] Burgerstein u.a.: "Handbuch der Nährstoffe", 12. Auflage 2012, S. 268
[5] Lee WH: Amazing amino acids. Keats Publishing Inc.; S.7; 1984