L-Tyrosin

Der natürliche Hormonoptimierer

Die erstmals aus Käse isolierte Aminosäure L-Tyrosin gehört zu den nicht-essenziellen Aminosäuren und ist nicht nur ein Bestandteil der meisten körpereigenen Proteine, sondern übernimmt im Organismus auch zahlreiche Funktionen, die sowohl aus gesundheitlicher als auch aus sportlicher Sicht interessant sind. Gewonnen wird L-Tyrosin, das eine der wichtigsten Ausgangssubstanzen für eine Vielzahl von Hormonen ist, aus der essenziellen Aminosäure L-Phenylalanin. Ist diese nicht in ausreichendem Maße vorhanden oder ist der Phenylalanin-Stoffwechsel gestört, können entsprechend schwere Probleme entstehen. Aber auch abseits einer möglichen therapeutischen Anwendung kann die Supplementierung als Nahrungsergänzungsmittel Sinn machen.

Wirkung von L-Tyrosin

Welche erstaunliche Wirkung L-Tyrosin in deinem Körper entfaltet, merkst du vor allen Dingen dann, wenn du zu wenig davon hast, denn dieser Mangel beeinflusst eine ganze Reihe von Stoffwechselprozessen massiv. Von Tyrosin-Mangel sind vor allem Menschen mit Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie sowie Personen mit chronischem Stress betroffen. Zur letzteren Gruppe gehören im Übrigen auch ambitionierte Sportler, denn auch häufiges schweres Training bedeutet für den Körper puren Stress.

Symptome von L-Tyrosin-Mangel

  • Abnehmende Konzentrations- und Gedächtnisleistung
  • Starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels
  • Eingetrübte Stimmung
  • Gewichtszunahme trotz gleichbleibender Ernährung
  • Probleme mit der motorischen Koordination
  • Unregelmäßige Herzfrequenz

Einer der mit Abstand interessantesten Wirkungszusammenhänge, die mit Tyrosin verbunden sind, ist die Erhöhung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Im Rahmen einer Studie mussten US-Soldaten unter unterschiedlichen kognitiv ermüdenden Bedingungen spezielle Aufgaben erfüllen. Während die eine Gruppe, die Tyrosin einnahm, sogar eine Leistungssteigerung zu verzeichnen hatte, brach die kognitive Leistung bei der Vergleichsgruppe, die lediglich ein Placebo erhielt, erwartungsgemäß ein.[1] Zurückzuführen ist dieser Effekt unter anderem auf die Funktion als Ausgangsstoff für die Herstellung des Hormons Dopamin, das als Nervenbotenstoff fungiert und somit die Denk-, Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit massiv beeinflusst. Ein positiver Nebeneffekt der gesteigerten Dopaminbildung ist darüber hinaus die Aufhellung der Stimmung, die mit einem ansteigenden Tatendrang einhergeht, denn Dopamin ist nicht umsonst auch als Glückshormon bekannt.

Da L-Tyrosin ebenfalls für die Biosynthese von Stoffen wie Katecholaminen, Tyramin sowie dem Schilddrüsenhormon Thyroxin benötigt wird, ergeben sich durch die zusätzliche Einnahme zahlreiche weitere Effekte wie beispielsweise die Senkung des Blutdrucks. Exakt diesen Effekt konnten niederländische Forscher der Freien Universität Amsterdam im Rahmen einer Studie nachweisen, im Zuge derer 15 Probanden eine regelmäßige Tyrosindosis von 100 Milligramm verabreicht bekamen. Die Senkung des diastolischen Blutdrucks führen die Forscher auf eine Abnahme der Stresshormonkonzentration im Blut der Probanden zurück.[2] Ähnliches beobachteten die gleichen Forscher auch in einem weiteren Experiment im Hinblick auf den systolischen Blutdruck.[3]

Die wichtigsten Wirkungsweisen von L-Tyrosin

  • Verbesserung der Konzentrations- und Gedächtnisleistung
  • Aufhellung der Stimmung durch Dopaminausschüttung
  • Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks
  • Erhöhung der Toleranzschwelle gegenüber Stress
  • Verbesserte Reaktionsfähigkeit
  • Positiver Einfluss auf die Kreativität

Lebensmittel, die L-Tyrosin enthalten

L-Tyrosin wird im Körper zwar hauptsächlich durch L-Phenylalanin synthetisiert, kommt aber auch in vielen Nahrungsmitteln vor, sodass du deinen Tyrosin-Bedarf freilich auch über feste Nahrung decken kannst. Um jedoch die geschilderten positiven Effekte reproduzierbar zu erzielen, ist die gezielte Aufnahme über Nahrungsergänzungsmittel ratsam. Dies liegt einerseits daran, dass sich die Tyrosin-Zufuhr über die Nahrung schlecht dosieren lässt, und beruht andererseits darauf, dass es sich in Nahrungsmitteln nicht um freies, sondern um chemisch gebundenes L-Tyrosin handelt.

  • Sojabohnen - 1539 mg
  • Kürbiskerne - 1093 mg
  • Rohes Schweinefleisch - 797 mg
  • Rohes Hähnchenbrustfilet - 765 mg
  • Lachs - 759 mg
  • Getrocknete Erbsen - 711 mg
  • Hühnerei - 499 mg
  • Walnüsse - 406 mg
  • Weizenmehl - 312 mg
  • Ungeschälter Reis - 298 mg

Anwendungsgebiete

Da L-Tyrosin sowohl am Aufbau von Proteinstrukturen als auch zur Synthese von essenziellen Hormonen, Enzymen und Neurotransmittern in entscheidender Weise beteiligt ist, ergibt sich ein breites Anwendungsspektrum, das von der Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit über die Behandlung von medizinischen Problemen bis hin zur Anwendung im Sport reicht.

L-Tyrosin als Prüfungshelfer

Da sich die studientechnisch nachgewiesene Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit natürlich auch für Prüfungssituationen in der Schule, auf der Arbeit oder in der Universität nutzen lässt, kommt L-Tyrosin in Kapsel- und Pulverform in diesem Bereich immer öfter zum Einsatz. Darüber hinaus ist diese Herangehensweise deutlich schonender als der Konsum großer Mengen an Koffein oder gar Medikamenten sowie verbotenen Substanzen, was leider immer häufiger vorkommt.

Tyrosin zur Behandlung depressiver Verstimmungen

Durch die Beteiligung an der Synthese des Glückshormons Dopamin wirkt L-Tyrosin im Fall eines Mangels und den damit in Verbindung stehenden depressiven Verstimmungen wie ein natürliches Antidepressivum. Diese Erkenntnis, auf die es bereits in den 1980er-Jahren Hinweise gab, wurde durch spätere Untersuchungen bestätigt, im Rahmen derer Patienten mit einer Depressionssymptomatik erfolgreich mit 100 Milligramm Tyrosin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag behandelt wurden.[4]

Anwendung im Sport

Auch als Sportler profitierst du selbstverständlich von den Wirkungsweisen des Tyrosins, da dir beispielsweise die stresshemmende Wirkung die Regeneration erleichtert und dich die Optimierung der Dopaminausschüttung in eine gute Stimmungslage bringt, die für ein effektives Training extrem wichtig ist. Wenn du Racketsportarten wie Tennis, Tischtennis, Squash oder Badminton betreibst, ist die Förderung der Reaktionsfähigkeit ein weiterer Aspekt, der L-Tyrosin als Nahrungsergänzungsmittel interessant macht. Beliebt scheint das Nahrungsergänzungsmittel auch bei eSportlern zu sein, die bei ihren professionell ausgetragenen Videospiel-Wettbewerben auf jede Millisekunde an Reaktionszeit angewiesen sind. Umfassende Untersuchungen gibt es aufgrund des noch jungen Sports allerdings noch nicht.

Nebenwirkungen von L-Tyrosin

Als natürliche Aminosäure sind die potenziellen Nebenwirkungen sowie die Gefahren einer Überdosierung selbstverständlich deutlich geringer, als dies bei synthetisch hergestellten Stoffen der Fall ist. Aufgrund der Tatsache, dass L-Tyrosin in unserer täglichen Ernährung häufig vorkommt, ist auch eine Überdosierung schwierig. Nichtsdestotrotz kann es in Einzelfällen zu individuellen Unverträglichkeiten respektive Überempfindlichkeiten auf den L-Tyrosin-Konsum kommen. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Herzrasen, Angstgefühle und Schlaflosigkeit. Derartige Symptome sind allerdings selten.

Dosierung von L-Tyrosin

Die Dosierung hängt im Einzelnen vom Anwendungszweck ab und unterscheidet sich verständlicherweise massiv zwischen dem Einsatz im therapeutischen Bereich sowie in der Freizeit. Nichtsdestotrotz konnten Studien belegen, dass selbst der mehrmonatige Konsum von 150 Milligramm Tyrosin pro Kilogramm Körpergewicht völlig unproblematisch ist und eher positive denn negative Effekte nach sich zieht.[5] Das entspricht im Fall einer 70 Kilogramm schweren Person 10,5 Gramm Tyrosin.

Dass du für die Behandlung medizinischer Probleme zunächst mit einem Arzt über die richtige Dosierung sprechen solltest, liegt auf der Hand. Im Rahmen der Anwendung im Sport empfiehlt es sich, den Angaben der Hersteller zu folgen, zumal auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bezüglich der L-Tyrosin-Einnahme noch keine Empfehlung ausgegeben hat. In der Praxis haben sich dabei je nach Körpergewicht 1,5-2 Gramm Tyrosin etwa 30-45 Minuten vor der sportlichen Betätigung als Best Practice herauskristallisiert. Achte aber darauf, dass du die Kapseln oder das Pulver auf nüchternen Magen nimmst, um den Effekt zu maximieren.

Studien

[1] Banderet, L. E., et al., "Treatment with tyrosine, a neurotransmitter precursor, reduces environmental stress in humans", Brain Res Bull. 1989 Apr;22(4), S. 759 - 62. -
[2] Deijen, J. B., et al., "Effect of tyrosine on cognitive function and blood pressure under stress", Brain Research Bulletin, Volume 33, Issue 3, 1994, S. 319 - 323.
[3] Deijen, J. B., et al., "Tyrosine improves cognitive performance and reduces blood pressure in cadets after one week of a combat training course", Brain Research Bulletin Volume 48, Issue 2, 15 January 1999, S. 203 - 209.
[4] Wurtmann, R. J., Oishi, T., "Effect of Tyrosine on Brain Cetecholamine Turnover in Reserpine-Treated Rats", J.Neural Transmission 53, 101-108 (1982)
[5] Neri, D. F., et al., "The effects of tyrosine on cognitive performance during extended wakefulness.", Aviat Space Environ Med. 1995 Apr;66(4):313-9.