Dextrose

Das Powermolekül, das uns antreibt

Kohlenhydrate gibt es viele, doch keines bestimmt unser aller Leben so sehr wie die Dextrose. Dextrose? Ja, ganz recht, denn der Begriff Dextrose ist nichts weiter als eine vor allem in älterer Literatur noch immer verbreitete Bezeichnung, die synonym für Glucose steht.

Da Dextrose also gleichbedeutend mit Glucose ist, wird auch klar, warum das Monosaccharid (Einfachzucker) unser Leben so sehr diktiert, denn unser Organismus ist im Grunde genommen eine Glucose-Maschine, die Nährstoffe im Rahmen der Energiegewinnung in Glucose zerlegt. Diese benötigen unsere Muskeln und unser Gehirn schließlich, um überhaupt Leistung erbringen zu können.

Wirkung von Dextrose

Gemäß Ihrer Stellung im menschlichen Energiestoffwechsel kommt der Dextrose in erster Linie die Rolle des Energieträgers zu. Wie jedes andere Kohlenhydrat auch verfügt sie über einen Brennwert von annähernd 4 kcal pro Gramm und kennzeichnet sich durch besonders kurze Molekülketten, die ihre biochemischen Eigenschaften entscheidend bestimmen. Im Gegensatz zu langkettigen Kohlenhydraten wie reiner Pflanzenstärke, wie sie beispielsweise in Kartoffeln enthalten ist, gelangt Dextrose, die umgangssprachlich auch als Traubenzucker bezeichnet wird, sehr schnell ins Blut.

Dies liegt unter anderem daran, dass auch unser Blutzucker nichts weiter als Glucose ist und unser Blut sogar zu 0,08 bis 0,11 Prozent daraus besteht. Umfangreiche Umwandlungsprozesse durch das Aufspalten von Kohlenhydratketten entfallen dementsprechend, sodass auch der glykämische Index, der den Einfluss eines Kohlenhydrats auf den Blutzuckerspiegel beschreibt, entsprechend hoch ausfällt.

Die Aufnahme von Dextrose als Pulver, Tabletten oder die bekannten Traubenzuckerplättchen führt also zu einem raschen Anstieg des Blutzuckers und damit auch zu einer entsprechend hoch dosierten Insulinreaktion des Körpers, sodass die Dextrose-Moleküle schnellstmöglich durch die Muskulatur und das Gehirn energetisch verarbeitet oder in die Muskelglykogenspeicher eingelagert werden.

Diese körpereigenen Kohlenhydratspeicher befinden sich in der Leber und der Muskulatur und können bei einem erwachsenen Mann leicht 700 Gramm Kohlenhydrate fassen, die genug Energie liefern, um vier Stunden ambitioniert zu joggen.

Das Problem mit dem Insulin

Als du ein Kind warst, haben dir deine Eltern mit Sicherheit auch des Öfteren gesagt, dass du vor dem Sport Traubenzucker nehmen sollst, um fit zu sein und den 10.000-Meter-Lauf zu schaffen. Zu Recht hast du dich dann nach der Hälfte der Strecke gewundert, dass du nach deinem fulminanten Start leistungstechnisch eingebrochen bist, denn die Dextrose hat gerade bei der Verwendung im Kontext des Ausdauersports einen entscheidenden Nachteil.

Dieser Nachteil ist die schnelle Verfügbarkeit im Blut, die eine heftige Insulinspitze verursacht, die zu Beginn auch tatsächlich deine Leistung steigert. Die große Menge des Hormons Insulin, die dadurch ausgeschüttet wurde, bewirkt aber, dass die Glucose im Handumdrehen verteilt wird, sodass dein Blutzucker wieder rapide in den Keller geht und es deinen Muskeln schlicht an Energie fehlt, um mit Hilfe des Kohlenhydratstoffwechsels Höchstleistungen zu bringen.

Zur Unterstützung von Ausdauerleistungen eignen sich komplexe Kohlenhydratquellen wie Maltodextrin oder Instant Oats deutlich besser, zumal diese langsamer ins Blut gelangen und für einen konstanteren Blutzuckerspiegel samt Energieabgabe sorgen.

Herkunft/Herstellung von Dextrose

Ursprünglich wurde die Dextrose 1792 vom Chemiker Johann Tobias Lowitz entdeckt, der erkannte, dass sich der in Weintrauben enthaltene Zucker in seiner Molekularstruktur vom bereits bekannten Rohrzucker (Saccharose) unterscheidet. Daher stammt auch der umgangssprachliche Begriff Traubenzucker.

Mit wenigen Ausnahmen existiert Dextrose aber nicht in isolierter Form in der Natur, sondern ist in der Regel mit anderen Zuckermolekülen zu Zweifachzuckern wie Lactose (Milchzucker) oder Vielfachzuckern wie Stärke verschmolzen. Um Dextrose zu gewinnen, müssen diese Zucker mit Hilfe einer enzymatischen Spaltung aufgetrennt werden. Überraschenderweise sind es jedoch gerade Früchte wie die namensgebenden Trauben, die zu wenig Dextrose enthalten, um eine lohnenswerte industrielle Produktion durchzuführen. Deshalb wird auch die Dextrose für all die bekannten Nahrungsergänzungsmittel und Trainingsbooster aus stärkehaltigen Pflanzen wie Mais gewonnen.

Weitere Namen von Dextrose

  • Dextrose
  • Glucose
  • Traubenzucker
  • Stärkezucker
  • Hydratdextrose[
  • 2,3,4,5,6-Pentahydroxyhexanal

Anwendungsgebiete

Das Anwendungsspektrum für Dextrose ist mindestens ebenso breit gefächert wie die Fülle der Quellen, aus der sie zumindest potenziell gewonnen werden könnte. Nichtsdestotrotz kristallisieren sich vor allem der Kraftsport und die Industrie als Einsatzgebiete heraus.

Dextrose im Kraftsport

Gerade nach einem harten Workout geht es darum, die katabolen, also abbauenden, Stoffwechselprozesse im Organismus zu beenden und die Regeneration so schnell wie möglich anzustoßen. An dieser Stelle kann die Dextrose ihre Stärke als hochglykämisches Kohlenhydrat ausspielen, denn durch die schnelle Aufnahme ins Blut und die erfolgende Insulinausschüttung, gelangen Nährstoffe extrem schnell an ihren Bestimmungsort in den Muskelzellen.

Da es sich bei Dextrose um den reinsten Brennstoff handelt, den du deinem Körper zuführen kannst, ist Dextrose im Rahmen der Verwendung im Post-Workout-Shake sogar dem oft verwendeten 19er-Maltodextrin überlegen. Eben diese Eigenschaft ist es auch, die den Einfachzucker zu einer idealen Transportmatrix für andere empfindliche Nahrungsergänzungsmittel wie Kreatin-Monohydrat, Arginin, Beta-Alanin, L-Carnitin oder andere Aminosäuren macht.

Dextrose in der Industrie

Ihre natürliche Süße und hohe Verfügbarkeit macht die Dextrose zu einem gern verwendeten Rohstoff in der Industrie. Folgerichtig findet sie sowohl als Süßungsmittel als auch in der Rolle als Geschmacksverstärker bei Fertigprodukten rege Verwendung. Abgesehen davon kommt Dextrose aber auch in der Getränkeproduktion zum Einsatz, wo sie vor allem zur Unterstürzung von alkoholischen Gärungsprozessen dient. Abseits der Lebensmittelherstellung wissen aber auch Chemiekonzerne das Monosaccharid zu schätzen, denn sowohl zur Produktion von Sorbit als auch von Ascorbinsäure wird Dextrose benötigt.

Nebenwirkungen von Dextrose

Da es sich bei Dextrose eigentlich um ein normales Lebensmittel handelt, sind kaum klassische Nebenwirkungen zu erwarten. Ebenso wie im Fall von Lactose oder Fructose kann es jedoch zu individuellen Unverträglichkeiten kommen. Diese basieren in hohen Dosen entweder auf der Aversion gegenüber extremer Süße oder auf tatsächlichen Unverträglichkeiten mit allergenem Hintergrund. In einem solchen Fall können vereinzelt Beschwerden wie Schwellungen der Gliedmaßen, Fieber oder Atembeschwerden auftreten. Erkennst du eines dieser Symptome, solltest du umgehend einen Arzt konsultieren.

Dosierung von Dextrose

Möchtest du Dextrose einsetzen, um damit deinen Post-Workout-Shake anzumischen, solltest du darauf achten, dass die von der Dextrose erzeugte Insulinspitze deutlich kräftiger ausfällt als dies bei Maltodextrin der Fall ist.[1] Damit reicht es auch, wenn die Dosierung nicht bei einem, sondern bei einem halben Gramm Dextrose pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Hinzu kommen selbstverständlich noch 0,5 Gramm Whey-Protein pro Kilogramm Körpergewicht sowie 600 Milliliter Wasser.

Studien

[1] Wehrmüller, Karin, ETH Zürich, INW Ernährungsbiologie, »Glykämischer Index von Sportgetränken«, 2002